Projekt
Nachhaltige Produktion von Impfstoffen gegen virale
Erkrankungen von Tieren in transgenen Pflanzen
Ziel des Verbundprojekts
Ziel des Vorhabens ist es, in Mecklenburg-Vorpommern einen
wissenschaftlichen Verbund zur sicheren, ökologisch und
ökonomisch vertretbaren Produktion von Wirkstoffen in transgenen
Pflanzen aufzubauen.
Ausgangspunkt wird die Herstellung von Impfstoffen gegen virale
Erkrankungen in dem nachwachsenden Rohstoff Pflanze sein. Dabei
wird neben der Optimierung der Produktion in der Pflanze und der
Wirksamkeit des Impfstoffs die ökologische und medizinische
Unbedenklichkeit der Produktionsweise einen wesentlichen
Bestandteil der Untersuchungen darstellen.
Durch den Vergleich der Produktion von Antigenen aus zwei
sowohl in ihrer Wirkungsweise als auch in ihrer Verbreitung sehr
unterschiedlichen Viren
- dem in der menschlichen und tierischen Nahrung nicht
präsenten Kapsidprotein (VP60) des Virus der Hämorrhagischen
Kaninchenkrankheit (Rabbit Haemorrhagic Disease-RHD) und
- verschiedenen Kapsidproteinen (VP4, VP6 und VP7) oder deren
Proteinuntereinheiten des ubiquitär verbreiteten Rotavirus,
der bei Haustieren und Menschen bedrohliche
Durchfallerkrankungen hervorruft
in transgenen Pflanzen sollen breit anwendbare
Lösungsmöglichkeiten für eine optimale Produktion unter
größtmöglicher biologischer Sicherheit ermittelt werden.
Möglichst einfache und kostengünstige Immunisierungsverfahren
sollen etabliert werden.
Die Sicherheit der Produkte, der Produktionsweise sowie die
immunogene Wirkung des Antigens sollen anhand der Verwertung durch
die Tiere (Modelsystem Hausschwein) analysiert werden. Aus der
biometrisch abgesicherten Kombination dieser Daten lässt sich die
notwendige, aber auch die maximal verträgliche Dosis und die
optimale Applikationsform des Impfstoffes ermitteln.
Die Produktion von VP60 des RHDV über transgene Pflanzen hat Modellcharakter
für die Herstellung von Impfstoffen aus nachwachsenden
Rohstoffen, trägt Erfordernissen des Tierschutzes Rechnung
(Ablösung der Impfstoffherstellung über das Tier) und ist wegen
der Spezifität des gewählten Modells (Vorhandensein von nur
einem erforderlichen protektiven Protein, etabliertes Prüfmodell
für VP60) von verallgemeinerungsfähiger Aussagekraft. Die
Einbeziehung der drei Hauptstrukturproteine des Rotavirus (VP4,
VP6 und VP7) in die vorgesehenen Arbeiten erweitert den
Projektansatz in für die Humanmedizin und den Verbraucherschutz
interessante Richtungen.
Wissenschaftliche und/oder technische Arbeitsziele
Impfstoffe sind noch immer die wesentliche Waffe gegen
Infektionskrankheiten auf der ganzen Welt. Dank ihrer Hilfe
gehören Pockenepidemien der Vergangenheit an, das selbe könnte
auch bald für die Kinderlähmung gelten. Durch eine
internationale Impfkampagne gegen die sechs wichtigsten
Infektionskrankheiten (Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung,
Masern, Tetanus und Tuberkulose) konnten in den späten neunziger
Jahren etwa 80% der Kinder geschützt werden, im Vergleich zu 5 %
in den siebziger Jahren eine drastische Steigerung. Dies kann aber
nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch immer 20% der Kinder
wegen mangelnder Verfügbarkeit von Impfstoffen einen weltweit
bedeutenden Infektionsherd darstellen. Eine Vereinfachung und
Verbilligung von Produktion und Transport der Impfstoffe könnte
hier Abhilfe schaffen. Bereits 1990 erkannten Wissenschaftler, dass transgene Pflanzen die idealen Produzenten von kostengünstigen
und zugleich sicheren Impfstoffen sein können. Sie
enthalten keine humanpathogenen Viren, sind aber in der
Lage, immunogene Proteine der Erreger selektiv zu produzieren und
damit in vielen Fällen auch nach einer oralen Applikation
eine Immunantwort zu stimulieren.
Die Verwendung transgener Pflanzen für die Humantherapie
stößt noch immer auf Bedenken in der Öffentlichkeit. Impfstoffe
sind aber auch in der Tiermedizin zur Prophylaxe von
Infektionskrankheiten von erheblicher Relevanz, eine Anwendung in
diesem Bereich sollte weniger Schwierigkeiten provozieren,
gleichzeitig aber die sichere Anwendung in der Humanprophylaxe
vorbereiten. Vor allem die Möglichkeit der oralen Applikation
könnte hier von wesentlicher Bedeutung sein.
In dem Modellprojekt sollen daher primär Impfstoffe
gegen virale Erkrankungen von Haustieren (z.B. Kaninchen,
Schweine) in transgenen Pflanzen (Tabak, Kartoffel, Möhre)
produziert werden.
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